Hauptmenü

News

25. Mai 2020 Zurück

Corona wird die Gründerszene noch lange beeinflussen

Silke Höhne (l.) und Sylke Schaffrin-Runkel (r.)

STARTERCENTER NRW zieht Zwischenbilanz

Alle schauen auf den Einzelhandel, die Gastronomie oder den Tourismus. Doch die Gründerszene in Deutschland, in NRW und natürlich auch im Kreis Unna leidet ebenfalls in einem erheblichen Maße unter den Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. „Anders als in anderen Wirtschaftsbereichen sind bei den Gründern keine zigtausende Arbeitsplätze in Gefahr. Aber: Ohne den innovativen Input unserer Gründer leidet langfristig auch die heimische Wirtschaft. Und es werden keine neuen Arbeitsplätze durch erfolgreiche Gründungen geschaffen“, weist Silke Höhne vom STARTERCENER NRW, das unter dem Dach der Wirtschaftsförderung im Kreis Unna arbeitet, auf die möglichen Folgen hin.

Umso größer die Befürchtung von Silke Höhne und ihrer Kollegin, Sylke Schaffrin-Runkel, dass viele Gründerinnen und Gründer aufgrund mangelhafter, verspäteter oder unzureichender Hilfen durch Land und Bund aufgeben oder aufgeben müssen. „Das ist die größte Sorge, die wir zurzeit vor allem von Freiberuflern und Soloselbstständigen zu hören bekommen: Dass die angebotenen Hilfen zum Beispiel durch die Soforthilfe NRW kaum ihre Lebenswirklichkeit berücksichtigen und viel zu kompliziert in der Antragstellung sind“, ergänzt Sylke Schaffrin-Runkel, „da ist der Frust groß und der Weg zum Arbeitsamt oder in die Grundsicherung liegt nahe.“

Gestraft ist, wer bei der Gründung sparsam gewirtschaftet hat und vor allem eigenes Kapital investiert hatte. „Kredite, Leasingverträge und ähnliches können nämlich als Betriebskosten geltend gemacht werden und fließen entsprechend in die Höhe der Unterstützung mit ein. Wer wenig Betriebskosten hat, bekommt auch wenig Unterstützung“, beschreibt Sylke Schaffrin-Runkel das Dilemma. Immerhin, seit Kurzem können Freiberufler und Soloselbstständige bei der Beantragung der NRW-Soforthilfe 2.000 Euro pauschal für die Lebenshaltung geltend machen.

Für manche Gründerinnen und Gründer mag das zu spät gewesen sein, wer mit einer Gründung in die Selbstständigkeit startet, hat überwiegend keine Rücklagen bzw. alles in die Gründung gesteckt. Er oder sie hat also nichts, woraus man monatelang seine Lebenshaltung finanzieren könnte, wenn die Einnahmen aus dem Betrieb fehlen. „Zudem konnten bis vor kurzem nur diejenigen Soforthilfe beantragen, die schon vor dem 31. Dezember 2019 gegründet hatten. Die, die ganz neu dabei waren, hatten überhaupt keine Chance“, ergänzt Sylke Schaffrin-Runkel.

Immerhin ist auch diese Regelung inzwischen angepasst. Antragsteller müssen nun belegen, dass sie bis zum 11. März 2020 bereits Umsätze erzielten oder mindestens ein Auftrag durch einen Kunden vorlag. Antragsberechtigt sind auch Gründerinnen und Gründer, wenn sie bereits eine langfristige betriebliche Zahlungsverpflichtung eingegangen sind, zum Beispiel ein Pachtvertrag für ein Ladenlokal unterschrieben haben.

Trotzdem sind besonders betroffen diejenigen, die Anfang des Jahres im Bereich der Gastronomie neu gegründet haben. Sie hatten kaum die Gelegenheit in Betrieb zu gehen. Und jetzt wären erneut Investitionen nötig, um für eine Öffnung den Corona-bedingten Vorschriften gerecht werden zu können. Das ist kaum zu stemmen.

Gründungen in der Corona-Krise

Doch es gibt auch Positives zu berichten: So haben manche Start-Ups im Kreis die Chance genutzt und haben im Bereich der zurzeit vielgefragten Transportlogistik gegründet. Und Gründerinnen und Gründer im Bereich Einzelhandel konnten meist flexibel reagieren und haben ihr Geschäftsmodell an die Anforderungen durch die Pandemie angepasst – entweder im Warenangebot oder aber durch den Ausbau von Online-Shops und Lieferangeboten. Auch hier konnten die Fachfrauen vom STARTERCENTER NRW und das Krisenteam der WFG Kreis Unna ihren Klienten hilfreich zur Seite stehen.

Blick in die Zukunft

Und wie sieht die Zukunft aus? Leider ziemlich düster, doch gerade für die Grün-derszene haben Silke Höhne und Sylke Schaffrin-Runkel durchaus Hoffnung. „Zunächst einmal rechnen wir mit einer Welle von Insolvenzen und Geschäftsaufgaben. Nur die auch mental starken oder die Gründerinnen und Gründer mit entsprechendem finanziellen Hintergrund werden das überstehen“, so Silke Höhne, „gefolgt von einem allgemeinen starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen.“ Und gerade da liegt wieder die Hoffnung: Denn wer arbeitslos wird, entscheidet sich eher für eine Selbstständigkeit als aus einem festen Arbeitsverhältnis heraus.

Die Frage ist dann allerdings, welche Qualität diese Gründungen haben werden. „Wir rechnen dann mehr mit älteren Gründerinnen und Gründern“, glaubt Silke Höhne. „Die älteren sind realistischer, sind die besseren Planer, haben mehr Erfahrung – und mehr Kapital.“ So könnte gerade die Gründerszene durchaus profitieren – auch wenn es bis dahin noch ein langer und leider oft schmerzhafter Weg sein wird.

Kontakt zum STARTERCENTER NRW unter der zentralen Rufnummer der WFG Kreis Unna: Tel. 02303/27-1690.

Ansprechpartner/in

Zentrale Rufnummer

T
02303 27-1690